Könnte schreien – Band 2

ab sofort in allen großen Buchhandlungen (Thalia, Hugendubel, Mayersche u.a.) sowie online erhältlich.

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Widmung

„Ich widme dieses Buch allen Frauen,
…die ihre eigenen kreativen Fähigkeiten leben
…die mutig ihre schöpferische Einzigartig- und Vielseitigkeit fördern und unterstützen wollen

…und, weil sie es wert sind!“

Leseprobe

Könnte schreien – Band 2

❤️

Leseprobe

 

„Der Rohstoff dieses Buches ist das Leben“
Ich hörte ein seltsames Rauschen: ein eigentümliches Pfeifen und Keckern. Waren es Delfine, die ja über ein außergewöhnliches Ortungssystem, eine Art Sonar, verfügen, das Schallwellen aussendet, die wie ein Widerhall in mein Ohr drangen? Wie konnte das sein? Oder täuschte mein Gehör meinem Gehirn Geräusche vor, die nur in meiner Fantasie vorhanden waren?
Wer wollte hier mit wem kommunizieren? Gedankliche Schleier lüfteten sich.

Tüllfetzen, die meinen Blick verhangen hatten, aber jetzt vom Wind verdrängt wurden. Wieso Wind? Oder waren es Erinnerungsfetzen, die mich zurück ins Hier und Jetzt brachten?
Ich strich bedächtig mit geschlossenen Augen, aber ausgestreckter Handfläche über den Untergrund neben mir. Ein Bett … Bettlaken, samtweich und streichelzart. Wo vorher helles Grau zu erahnen war, grüßten plötzlich freundliche Farben meine Augen.
Es roch intensiv nach Chemie. Ich atmete tief ein und aus, bemerkte ein leichtes Kratzen im Hals, hustete. Keine Ahnung, wie lange ich so dagelegen hatte – aber ein ruhiges, entspanntes
Gefühl lenkte meine Aufmerksamkeit.

Ich bemerkte lächelnd: Es waren doch keine Delphine! Das Rauschen und Surren der Beatmungsapparate, das Piepsen und Gurren anderer lebensrettender medizinischer Geräte hatten eine surrealistische Fantasie in mir ausgelöst.

Willkommen zurück im Leben!
Ruckartig setzte ich mich auf, drehte meinen Körper von links nach rechts. Mein Bauch tat mir weh. Meine Schultern schmerzten. Ich musterte meine Umgebung, betrachtete die Beatmungsmaschinen mit argwöhnischem Blick, nahm die Sauerstoffflaschen, Masken und Schläuche neben meinem Bett wahr. Konnte das sein? Oh mein Gott, ich war nicht tot?
War ich von den Toten auferstanden? Ich kniff mir in den Unterarm, um zu sehen, ob ich das wirklich spürte. Ich spürte, lebte. Die Dosis war so exorbitant hoch gewesen und hätte eigentlich garantiert meine Absichten erfüllen müssen!
Wie konnte das sein? Wütend schlug ich mit der linken Hand auf die Matratze. „Schei…benhonig!“, schrie ich die Geräte an.

Tränen der Enttäuschung fanden ihren Weg über meine Wangen und flossen am Hals entlang zur kleinen Kuhle unterhalb der Kehle. Dort, im Sammelbecken der Enttäuschung, entstand ein kleiner Pool, der überlief und sich auf meiner Brust verteilte, um einen Abfluss zu finden.
Ich fiel zurück ins Kissen. Dankbar empfing ich diese Schwere, die mich tiefer ins Kissen drückte, um mich zu umarmen. Tiefer Schlaf schenkte meinem Körper die Entspannung, die er brauchte.
Keine Ahnung, wie lange ich geschlafen hatte. Aber als ich aus diesem Tiefschlaf wiedererwachte, lag ich seitlich in einer Art Embryohaltung und bemerkte, wie DANKBARKEIT meinen Kopf beseelte und mich wachküsste. Freudig, geradezu euphorisch wuchs das Gefühl der zweiten Chance.

Die nette Schwester hatte gerade wieder das Zimmer verlassen, als sich der Krampf näherte. Er zog meinen Bauch zusammen und ein fürchterlicher, messerartiger Stich durchfuhr mein Inneres. Ich zog meine Beine an und versuchte, die Wucht des Schmerzes so zu mildern. Ich hielt den Atem an in der Hoffnung, dass ohne weiteren Sauerstoff der Schmerz ersticken würde.
Keine Chance!

Ich riss meinen Mund zum Schrei auf, aber kein Laut drang hinaus. Lautlos schrie ich den Schmerz aus meinen Lungenflügeln, spürte den Druck in meiner Blase, riss den Schlauch vom Tropf aus meinem Handrücken, drückte auf den Einstich der Spritze, damit sich das Blut einen anderen Weg suchte und sich die Einstichstelle beruhigte. Der Druck tat auch mir gut.
Kurz darauf stand ich auf. Wacklig tastete ich mich am Bett entlang, um das Bad zu erreichen. Die Schwester kam ins Zimmer und fing mich auf, als ich den größeren Schritt bis zur Badezimmertür wagte.

Kaum saß ich auf der Toilette, plumpste ETWAS geräuschvoll in das Toilettenwasser. Ich schaute die Schwester an, die mit einer Hand meinen Oberkörper stützte und mit der anderen meinen Nacken streichelte. Ein ziehendes Gefühl durchstreifte meinen unteren Bauch. Ich war wie erstarrt. Ich spreizte meine Oberschenkel und schaute in die Toilette, sah einen Klumpen! Erschrocken drehte ich mich ruckartig aus ihrer Hilfestellung und drückte vehement auf die Spülung, die mit einem Wasserschwall das Ergebnis meiner Schmerzen in die Kanalisation trieb.
Ich fiel in mir zusammen. Die Schwester half mir hoch und geleitete mich zum Bett zurück. OMG!

Wieder fiel ich in einen bewusstlosen Schlaf, der diesmal eine völlig andere Qualität hatte. Ich schlief und schlief. Die Schwester maß meinen Puls, befeuchtete meine Lippen. Ich schlief weiter, obwohl ich die Worte des Arztes hörte, die mir aber nichts sagten. Als ich aufwachte und die Sonne durch den Lamellenvorhang schien, erwachte wieder meine freudige Dankbarkeit. Ich erkannte wieder meine zweite Chance, kreuzte meine Arme über meinem Bauch, dann faltete ich meine Hände und dankte dem Universum.
Aus den Augenwinkeln sah ich meine imaginäre Rüstung ans Bett gelehnt. Auf Hochglanz poliert wartete sie darauf, dass sie von mir angezogen und mit Stolz getragen wurde.

Ich dachte an meinen letzten Besuch bei Mrs. Levinson und ihre aufmunternden Worte, wie sie mir Mut gemacht hatte.
Ich spürte ihr Vertrauen in mich und mein Potenzial.
NIE wieder wollte ich sie zukünftig enttäuschen.